Zur Startseite

Warum?

Keine Beschäftigung mit der Geschichte der Juden in Deutschland kann von der Tatsache absehen, dass diese Geschichte zwischen 1933 und 1945 in Verfolgung, Vertreibung und Völkermord endete. Ein unbefangener Blick auf die deutsch-jüdische Geschichte ist heute nicht mehr möglich. Die historische Forschung hat sich folglich die Untersuchung der Ursachen der Shoa zur Aufgabe gemacht. Die deutsche Geschichte wurde und wird immer wieder auf Elemente „abgeklopft“, die den Weg in den Wahnsinn vorbereitet haben.

Das ist alles zweifellos notwendig, aber für das Verständnis der deutsch-jüdischen Geschichte nicht ausreichend. Vielmehr birgt diese Sichtweise das Risiko, die Zeit vor 1933 ausschließlich als Vorgeschichte der Katastrophe zu sehen.

In den Empfehlungen der deutsch-israelischen Schulbuchkommission ist jedoch bereits in den 1980er Jahren darauf hingewiesen worden, dass die Aufklärung über die Ursachen und Folgen der Judenfeindschaft allein nicht ausreicht. Vielmehr muss sie ergänzt werden durch die gemeinsame Geschichte von Juden und Nichtjuden, die auch durch Abwesenheit von Konflikten, durch gemeinsame Interessen und Arbeiten gekennzeichnet war. Juden sollten in unseren Geschichtsbüchern und unseren Köpfen nicht nur als Objekte und Opfer der Geschichte existieren, sondern ebenso als Akteure und Träger der Kultur.

Die Umsetzung dieser Empfehlungen, so müssen wir rückblickend auf unsere eigene Schulzeit feststellen, hat auf sich warten lassen. Beinahe alles, was wir über Juden in Deutschland gelernt haben, war auf die Zeit zwischen 1933 und 1945 beschränkt. Nicht die jüdische Kultur wurde uns näher gebracht, sondern allein die Vernichtung derselben. Diese einseitige Betrachtungsweise verfälscht die historische Mannigfaltigkeit und birgt zudem die Gefahr der „Übersättigung“ bei den Schülern.

Ziel unserer Veranstaltungen soll daher sein, das Gleichgewicht in den Köpfen der Schüler wiederherzustellen. Denn nur wenn es uns gelingt, dass Kinder und Jugendliche das Wort „Jude“ nicht mehr ausschließlich mit negativen Ereignissen und Gefühlen assoziieren, kann aufkeimendem Antisemitismus der Nährboden entzogen werden.