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1. Thema

Deutsche Juden oder jüdische Deutsche?

Der kulturelle und religiöse Wandel des Judentums im 19. Jahrhundert

Zu Beginn der ersten Stunde rekapitulieren wir mit den Schülern ihr bereits vorhandenes Wissen zur historischen und sozialen Situation im 19. Jahrhundert, um anschließend auf wichtige Ereignisse für die jüdische Bevölkerung (bspw. das Emanzipationsedikt von 1812) hinzuweisen. Im Folgenden konzentrieren wir uns in erster Linie auf die Lebensverhältnisse des Mittel- und Großbürgertums, wir sprechen über Familienstrukturen und Rollenbilder, wobei auch hier Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede zwischen Juden und Nichtjuden thematisiert werden. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Situation der Jugendlichen: Textausschnitte zum Hören und Lesen aus den „Buddenbrooks" von Thomas Mann und aus Stefan Zweigs „Die Welt von Gestern", die Schulstunden und Erziehungsmaßstäbe der Zeit ebenso eindrücklich wie amüsant schildern, vermitteln den Schülern einen lebendigen Eindruck vom Alltag eines Heranwachsenden im 19. Jahrhundert.

Im Anschluss betrachten wir mit den Biographien von Max Liebermann und Lovis Corinth die Lebensläufe eines jüdischen und eines nichtjüdischen Künstlers. Diese konkreten Beispiele untermauern die vorher gewonnenen allgemeinen Erkenntnisse. Besonderen Wert möchten wir hierbei auf die Parallelen im Leben und Werk der beiden Maler legen: Der Ausflug ins 19. Jahrhundert, den wir mit den Schülern während dieser Unterrichtseinheit unternehmen, soll ihnen vor allem vor Augen führen, wie bedeutend die Gemeinsamkeiten zwischen jüdischen und nichtjüdischen Bürgern zu dieser Zeit waren.

2. Thema

Moses und Judith

Männer- und Frauenbilder in der Thora

Die nächste Unterrichtseinheit ist mit Moses und Judith zwei der bedeutendsten biblischen Persönlichkeiten und ihrer künstlerischen Darstellung gewidmet. Zu Beginn möchten wir gemeinsam mit den Schülern die Mosesgeschichte erkunden. Nach einem Resümee zur Bedeutung der Moses-Figur in der jüdischen und christlichen Religion geben wir einen kurzen Einblick in die Geschichte des jüdischen Volkes, besonders im Bezug auf die Tempelzerstörung und das babylonische Exil.

Im zweiten Teil der Stunde steht mit Judith eine weibliche Heldin im Mittelpunkt. Auch hier stellen wir die Erzählung voran, welche mit Arbeiten verschiedener Maler zu diesem Thema veranschaulicht wird. Dabei gilt es, die Aufmerksamkeit der Schüler auf die unterschiedlichen Darstellungsweisen der Hauptfigur zu lenken, mittels derer die Künstler ihre jeweilige Sichtweise manifestieren und damit auch den Betrachter in seiner Interpretation beeinflussen.

3. Thema

Jüdische Feste und Bräuche

Am Beispiel von Schabbat, Rosch ha-Schana oder Pessach

Isidor Kaufmanns Gemälde „Freitagabend" schauen wir uns zu Beginn des dritten Themenkomplexes an. Es zeigt eine junge Frau, die am Vorabend des Schabbat neben einem festlich geschmückten Tisch sitzt. Durch die Bildbetrachtung sollen erste Merkmale dieses Festes gemeinsam mit den Schülern erarbeitet werden. Anschließend erläutern wir die Entstehungsgeschichte des Feiertages sowie die damit verbundenen Rituale. Um das Lernen und Erfahren sinnlicher zu gestalten, möchten wir den Segen über Wein und Brot und das anschließende Brotteilen und Essen zusammen mit den Schülern vollziehen.

Des Weiteren stellen wir - je nach Wunsch - Rosch ha-Schana oder Pessach vor. Diese Feiertage stehen exemplarisch für Feste mit einem biblischen bzw. nicht-biblischen Hintergrund und lassen beide ein Äquivalent in der christlichen Tradition zu. Rosch ha-Schana, das jüdische Neujahrsfest, wird im Herbst gefeiert, während das Pessachfest an die Errettung Israels aus der ägyptischen Knechtschaft erinnern soll. Auch typische Leckerein, die einen unerlässlichen Bestandteil der Feste bilden, können von den Schülern probiert werden.

Einzelprojekte:

Kaffeehauskultur und literarische Salons

Das literarische Leben um 1900 war in vielen Großstädten des Deutschen Kaiserreiches und der K. u. K. Monarchie nicht nur durch das bürgerliche Judentum beeinflusst, sondern geradezu von diesem getragen.

Dabei prägten Namen wie Egon Friedell, Friedrich Torberg, Egon Erwin Kisch, Alfred Polgar und unzählige andere das Bild des „Kaffeehausjuden", der seinen Wohnsitz praktisch in eines der zahlreichen Kaffeehäuser seiner Stadt verlegt hatte. In Wien, Prag oder Berlin spielte sich das künstlerische wie gesellschaftliche Leben in den „Salons" der Zeit ab - den Kaffeehäusern.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sind insbesondere in Berlin von diesen nur sehr wenige übrig geblieben. Das bunte literarische Treiben des Fin de Siècle und der Goldenen Zwanziger ist gänzlich aus den Cafés verschwunden. Und doch kann man es zusammen mit seinen Protagonisten wieder finden: In den Romanen, Geschichten und Erzählungen, die mit einem kritischen und stets wachsamen Blick ironisch und humorvoll von den kleinen und großen Ereignissen der Zeit berichten, erscheinen vor unserem inneren Auge Bilder eines vergangenen Höhepunktes des jüdisch-intellektuellen Lebens.

Bei dieser Veranstaltung möchten wir uns mit den Schülern auf eine imaginäre Reise in die Vergangenheit begeben, indem wir mit ihnen gemeinsam ausgewählte Texte lesen und besprechen, die sie zurück zu Menschen und Lebenswelten führen, die im Schulunterricht meist nur unzureichend betrachtet werden.

Dabei suchen wir uns für die im kleinen Kreis stattfindenden Lesesitzungen schöne Cafés aus, die mit ihrem Flair an die großen Kaffeehäuser erinnern und den Schülern allein durch ihre optische Erscheinung helfen, sich in die historischen Schauplätze zurück zu versetzen.

Das Judentum im Spiegel der monotheistischen Weltreligionen

Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Judentum, Christentum und Islam sollen im Mittelpunkt dieser Veranstaltung stehen. Alle drei Religionen eint nicht nur der Glaube an einen Gott, sie berufen sich auch auf dieselben Propheten. Jährlich wiederkehrende Festtage weisen erstaunlich viele Parallelen auf. Zudem werden wichtige Stationen auf dem Lebensweg wie beispielsweise der Übergang von der Adoleszenz zum Erwachsenenalter bei Juden, Christen und Muslimen in ähnlicher Weise zelebriert.

Wir werden gemeinsam mit den Schülern die vielfältigen Berührungspunkte zwischen den Religionen erkunden, ohne dabei jedoch strittigen Fragen aus dem Weg zu gehen.